Erkenntnisse aus der Jahrestagung 2024 der Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie (DMGP)

Auf der DMGP-Jahrestagung 2024 hatten unser CEO Uwe Schonhardt und seine Kolleginnen und Kollegen von REHAB Basel die Gelegenheit, zwei spannende Beiträge zu präsentieren, die sowohl klinische Innovation als auch das gelebte Leben mit einer Querschnittlähmung beleuchten. Uwe arbeitet weiterhin als Ergotherapeut, während er die Entwicklung unserer Dekubitus-Lösungen leitet – denn die Nähe zu Patient:innen und Fachkolleg:innen ist das, was ihn antreibt. Auch wenn die Tagung schon eine Weile zurückliegt, bleiben die gewonnenen Erkenntnisse relevant für alle, die sich für Dekubitusmanagement und patientenzentrierte Versorgung interessieren.

Das Abstract-Band der DMGP kann hier heruntergeladen werden. Wir geben Ihnen jedoch gerne eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse.

Mobilisation mit einem druckentlastenden Sitzkissen

Eines der Abstracts, „Frühmobilisation bei drittgradigem Hautdefekt der Sitzbeinregion…“, beschreibt einen Fall, bei dem ein 56-jähriger querschnittgelähmter Patient mit einem schweren ischialen Dekubitus mithilfe eines automatisierten, adaptiven Drucküberwachungs- und Entlastungskissen mobilisiert wurde – einer frühen Version des LiVE One Sitzkissens.

Traditionell empfehlen Leitlinien eine vollständige Druckentlastung betroffener Bereiche, was oft zu wochenlanger Bettruhe und verzögerter Genesung führt. In diesem Fall nutzte das Team ein LiVE One Prototyp-Kissen, um eine sichere Mobilisation unter teilweiser Entlastung zu ermöglichen.

Zentrale Erkenntnisse:

  • Die Patientin konnte bis zu drei Sitzphasen à vier Stunden zwischen Entlastungszeiten verbringen, ohne die Wundheilung zu beeinträchtigen, im Vergleich zu der vorgeschriebenen kompletten Entlastung ohne Kissen.
  • Durch die individuell einstellbaren Luftkammern des Geräts war eine personalisierte Versorgung und Überwachung möglich – sogar im ambulanten Setting.
  • Rechtzeitige Mobilisation kann Dekonditionierung verhindern und die Rückkehr in den Alltag beschleunigen, sofern die nötigen Voraussetzungen wie z.B. konsequente Hautkontrolle und sichere Transfers gewährleistet sind.

Dieser Fall zeigt, wie technologiegestützte Rehabilitation sowohl Sicherheit als auch Selbstständigkeit der Patient:innen fördern kann.

Leben mit Druckverletzungen: Eine Patientenperspektive

Das zweite Abstract, „Hirn oder Hintern?“, bot einen sehr persönlichen Einblick in das Leben mit Druckverletzungen aus der Perspektive einer langjährig querschnittgelähmten Patientin und Peer-Beraterin.

In ihrer Erzählung beschrieb die Autorin, wie chronische Druckverletzungen den Alltag beeinflussen – von monatelanger Bettruhe bis hin zu Herausforderungen beim Kochen, im sozialen Leben und bei der Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit. Das Leben mit einer Querschnittlähmung ist ohnehin anspruchsvoll; Dekubitus fügt eine weitere Ebene der Komplexität hinzu.

„Mit zwei Jobs, einem Ehrenamt, einem Haus mit Garten inklusive Katze und 82-jähriger Mutter, mit den Leidenschaften Schwimmen und Handbiken, einem großen Freundeskreis, den ich gerne treffe und bekochte, habe ich ein recht ausgefülltes Leben. Das ist etwas Besonderes […] als Paraplegikerin.

[Dekubitus] bedeutet, zuerst monatelang zu liegen, abhängig zu sein, kein Essen einkaufen zu können – geschweige denn welches zuzubereiten –, Freunde nur noch im Schlafzimmer zu empfangen. Kein Kaffeetreff mit Freundinnen, kein Kino, kein Theater, kein Ausflug in die Natur, kein Sport, nichts … und dann das Sitzen nach Zeit … die Uhr ständig als mein Begrenzer, ein Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit.“

Zentrale Botschaften:

  • Innovative Sitzkissen wie das LiVE One können Patient:innen helfen, ihre Alltagsroutinen zurückzugewinnen, ohne sich ständig Sorgen um Druckverletzungen machen zu müssen.
  • Über die medizinische Behandlung hinaus ist die Patientenerfahrung ein entscheidender Innovationstreiber. Das Verständnis realer Lebensherausforderungen ist wesentlich, um Werkzeuge zu entwickeln, die die Lebensqualität tatsächlich verbessern.
  • Erfolgreiche Rehabilitation bedeutet nicht nur klinische Heilung, sondern auch, Menschen zu befähigen, ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen.

Warum das wichtig ist

Bei RELiYOO glauben wir, dass Technologie Lösungen bieten kann, um das Wundmanagement und die Nachsorge für die Betroffenen zu unterstützen, und dass Patienten -Insights praxisnahe Innovationen anstoßen können, die den Alltag verbessern.

Nur durch den engen Austausch mit Medizinisches Fachpersonal, Forschenden und Betroffenen können wir relevante Technologien entwickeln. Wir arbeiten weiterhin in Kooperation mit medizinischen Einrichtungen, Universitäten und unseren Anwender:innen an der Weiterentwicklung unserer Produkte – und freuen uns schon jetzt auf den Austausch zu neuen Forschungsergebnissen bei künftigen Konferenzen.

Wir sehen uns bei der nächsten DMGP-Jahrestagung!

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